Ars Electronica 2025 – Was Unternehmen von Kunst und KI lernen können 

Exponat Threshold State

Bildquelle: Kristina Bodrozic-Brnic

Exponat Threshold State


25. September 2025 | Von Kristina Bodrozic-Brnic

Die Ars Electronica in Linz gilt schon seit ihrer Gründung 1979 als eine der innovativsten Ausstellungen für Kunst, Technologie und Gesellschaft. In diesem Jahr stand das Thema „Panic“ im Fokus – Panik als Begleiter von Krisen in Gesellschaft und Umweltfragen, und Panik angesichts von Überforderung durch technologischen Wandel. Was auf den ersten Blick sehr künstlerisch klingt, hat überraschend viele Parallelen zu den Herausforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen.

Wir wollen Ihnen einige der Exponate vorstellen, die beispielhaft  zeigen, wie stark die Brücke von Kunst zu Wirtschaft ist.

XR-Escape-Rooms gegen Fake News 

Das Projekt Escape Fake, das sich aus öffentlichen und privatwirtschaftlichen Geldern finanziert und Coaches sowie Lehrkräften kostenfrei zur Verfügung steht, befasst sich mit der Herausforderung, im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz echte Nachrichten von Falschmeldungen zu unterscheiden. Teilnehmende lernen spielerisch in immersiven Escape-Room-Spielen, wie Fake News entstehen und wie man sie entlarven kann. 

Übertragen auf Unternehmen heißt das: Wie gehen Mitarbeitende eigentlich mit KI-generierten Inhalten um? Medienkompetenz wird zur Schlüsselqualifikation, um Kundenkommunikation und Markenreputation zu schützen. Das ein oder andere Spiel ist damit auch für Berufstätige spannend. 

Die „Experience Machine“ von Deniss Boldavesko und Benedikt Pfisterer 

Das filmische Werk zeigt, wie Manipulation durch Algorithmen schleichend erfolgt und Abhängigkeiten erzeugt. 

Für Unternehmen zeigt sich: Wer Marketing über Social Media betreibt, sollte sich bewusst machen, wie Inhalte auf Nutzer*innen wirken. Auch entgegen kurzfristiger Trends müssen Unternehmen verantwortungsvoll mit Inhalten und Interaktionen umgehen. Steuern Sie Ihre Kampagnen so, dass sie die Social-Media-Intensität nicht künstlich anheizen (z. B. durch aggressives Retargeting oder hyperpersonalisiertes „Always-on“). Schaffen Sie Transparenz über Sponsoren und Targeting und regen Sie Ihre Zielgruppe eher zu reflektiertem, nicht impulsivem Konsum an. Produkte zu verkaufen darf (und sollte) ein aufrichtiger Akt der Interaktion mit Konsument*innen sein. 

Neue Materialien aus dem „Crafting Future Lab“ 

Hier entstehen nachhaltige Textilien aus organischen Rohstoffen. 

Impulse für Unternehmen aus Produktion und Handel: Innovation muss nicht immer digital sein. Manchmal reicht es, bestehende Prozesse neu zu denken und mit nachhaltigem Handeln zu verbinden. Informieren Sie sich über innovative Materialien und Oberflächen – vielleicht ergibt sich sogar ein gemeinsames Forschungs- oder Pilotprojekt. So leisten Unternehmen einen Beitrag zum bewussten Wandel und fördern tragfähige Innovationen für unsere Gesellschaft und unseren Planeten. 

KI und Entscheidungen – das Projekt „Threshold State“ 

Studierende und ihre Dozent*innen aus Estland und Italien zeigen, wie riskant es wäre, wenn Künstliche Intelligenz selbstständig Visa-Vergaben übernehmen würde: Wer darf einreisen – abhängig von Beruf, Geschlecht oder Social-Media-Nutzung? Wollen wir eine KI solche Entscheidungen treffen lassen? 

Übertragen auf den Unternehmenskontext nehmen wir mit: Überprüfung macht Sinn! Auch wenn die europäische KI-Verordnung solche Systeme kontrolliert, haben wir bereits vergleichbare Anwendungen im Einsatz – zum Beispiel bei der Vergabe von Krediten oder Sozialleistungen. Oft funktionieren diese mehr schlecht als recht. Deshalb gilt: KI sollte Prozesse unterstützen, aber Entscheidungen, die Kund*innen oder Mitarbeitende betreffen, müssen stets verantwortungsvoll von Menschen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. 

Fazit

Diese Beispiele verdeutlichen: 
Kunst inspiriert uns, neue Perspektiven auf KI, Nachhaltigkeit und Unternehmenskultur zu gewinnen. 
Unternehmen können von solchen Impulsen profitieren, indem sie offen bleiben für kreative Ansätze – und sie auf die eigene Praxis übertragen. 

Kunst, Forschung, Wirtschaft, Gesellschaft und Wandel sind untrennbar miteinander verwoben. Die Dinge existieren nie isoliert – und genau diese „Verwobenheit“ ist uns in unserer Arbeit besonders wichtig. Wussten Sie, dass Vorurteile gegenüber kreativem Arbeiten historisch vergleichsweise jung sind? Über Jahrtausende galt es als selbstverständlich, dass Menschen in verantwortungsvollen Positionen – darunter Unternehmer*innen und Führungskräfte – umfassend gebildet waren. 

Vielleicht ist es an der Zeit, diese Haltung auch im Unternehmen neu zu entdecken: Denn gerade kleinere Unternehmen können langfristig davon profitieren, wenn sie technologische Innovation, kreatives und künstlerisches Denken und gesellschaftliche Verantwortung bewusst miteinander verflechten. 

Die Ars Electronica 2025 hat jedenfalls gezeigt: Zukunft entsteht dort, wo wir uns trauen, Experimente ernst zu nehmen – auch wenn sie manchmal ungewöhnlich erscheinen. 

Kontaktmöglichkeit

Kristina Bodrozic-Brnic

kristina.brnic@businessschool-berlin.de

+49 331 / 730404 – 304

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