Unternehmerische digitale Verantwortung leben – so kann es in der Praxis funktionieren

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Bildquelle: Zimmermann, P. - Pexels


9. Juni 2022 | Von Marie Graw

Praxisbeispiele im Bereich unternehmerische digitale Verantwortung von den „großen“ Unternehmen wie Telefónica/O2 und der Otto Group sind Thema dieses Artikels. Nachdem im Artikel „Unternehmerische digitale Verantwortung – eine Einführung“ der Begriff der unternehmerischen digitalen Verantwortung (engl. Corporate Digital Responsibility – CDR) erklärt und die Vorteile für Ihr Unternehmen beschrieben wurden, wollen wir nun Ihren Blick auf einige Praxisbeispiele lenken.

Wir verwenden den Begriff „unternehmerische digitale Verantwortung“ sowie dessen englische Übersetzung „Corporate Digital Responsibility“ mit der Abkürzung „CDR“ gleichbedeutend.

Doch wie kann unternehmerische digitale Verantwortung im Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden? Gibt es eine Masterlösung, oder unterschiedliche erfolgsversprechende Herangehensweisen? Diesen Fragenstellungen wollen wir uns nun anhand von unterschiedlichen Praxisbeispielen nähern.

Die Telefónica Deutschland/O2, hat CDR in ihrem Responsible Business Plan 2025 festgehalten. Ein weiteres erwähnenswertes Beispiel ist die von der Firma Otto gestartete Plattform für gesamtgesellschaftliche (digitale) Verantwortung.

Praxisbeispiel: Telefónica Deutschland/O2

Telefónica Deutschland/O2 ist neben Unternehmen wie Miele, SAP und der Otto Group Mitglied der CDR-Initiative des Bundesministeriums der Justiz (BMJ). Diese gilt als federführend im Bereich CDR. Der Mensch wird als oberste ethische Instanz, als Mittelpunkt, verstanden und digitale Technologien sollen dem Menschen dienen.

Auf der Basis dieses Grundgedankens hat Telefónica Deutschland/O2 fünf Kernthemen unternehmerischer digitaler Verantwortung definiert. Diese sind: Verantwortung für Unternehmen, nachhaltige Innovationen, Leben in der digitalisierten Welt stärken, Datenschutz und Transparenz sowie digitale Inklusion. Zudem wurden auch relevante Bereiche, bei denen der Einsatz der Telefónica/O2 über das vom Gesetzgeber Vorgeschriebene hinausgeht, definiert. Diese Bereiche sind Compliance, Datenschutz, regulatorische Themen und Sicherheit. Des Weiteren wurde der CDR-Kodex des BMJ von der Telefónica/O2 im September 2021 unterzeichnet und die Implementierung angestoßen. Hauptthemen von CDR sind Klima- und Umweltschutz, aber auch in Bereichen wie Service, Mitarbeiter*innen und Gesellschaft sowie Produktion wird CDR angewandt. Besonders nach außen sichtbar werden die CDR-Bestrebungen des Unternehmens in dessen Responsible Business Plan 2025.

Exkurs: Responsible Business Plan 2025
Der Responsible Business Plan 2025 verdeutlicht das Zusammenspiel von Nachhaltigkeit und CDR besonders. Bis 2025 will die Otto Group selbst gesteckte Ziele bezüglich Klimaneutralität sowie gesteigerter Kund*innen- und Mitarbeiter*innenzufriedenheit erreichen. Zudem gehört auch generationenübergreifende digitale Teilhabe zu den Zielen. Die Zielerreichung soll durch die Ergreifung konkreter Maßnahmen erfolgen. Der Plan beinhaltet 76 Nachhaltigkeitsmaßnahmen mit unterschiedlichen Zielen.

Das Unternehmen ist sich bewusst, dass CDR und digitale Verantwortung nicht allein umgesetzt werden können. Gesellschaft, Wirtschaft und Politik müssen zusammen auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten. Aus diesem Grund hofft das das Unternehmen, durch die Unterzeichnung des CDR-Kodex auch andere Akteure dazu zu bringen, eine CDR-Strategie zu entwickeln und so einen Beitrag zu leisten.

Praxisbeispiel: Otto Group

Auch die Otto Group gehört neben Telefónica/O2 zu einem der ersten Unternehmen, die sich mit dem Thema CDR beschäftigt haben. Schon im Jahr 2017 wurden sich Gedanken zu, wie es bei der Otto Group genannt wird, „Digital Responsibility“ gemacht. Zwar wurde das Thema auch schon in vorherigen Projekten bei der Otto Group angeschnitten, jedoch wurde im Oktober 2017 die Implementierung einer strukturierten Herangehensweise angegangen. Im nachfolgenden Schaubild kann der CDR-Journey der Otto Group nachvollzogen werden.

Otto Group: Vom analogen Katalogunternehmen zum Vorreiter bei CDR – Blanchetta (2021). Design mit Canva.com

Der Weg der Otto-Group zur Wahrnehmung von CDR

Im Jahr 2018 fand im ersten Schritt ein Expert*innenaustausch statt, bei dem Erwartungen und entscheidende Handlungsfelder festgelegt wurden. Anschließend, im zweiten Schritt, fand die Erarbeitung eines Grundlagenpapiers statt. Grundlage waren die Ergebnisse des Expert*innenaustausches. Zentrale Themenfelder dabei waren Machtverteilung & Rechtsverständnis, Daten & Sicherheit, Zukunft & Arbeit, digitale Bildung, vernetzte Lebenswelten sowie Umwelt & Gesundheit. Diese Themenfelder dienten dazu, gesellschaftliche Risiken und Chancen der Digitalisierung zu erkennen und das Thema CDR greifbar zu machen. Anschließend wurde im dritten Schritt diskutiert, welche internen Handlungsrahmen im Unternehmen bestehen. Ziel war es, eine strategische Richtung für konkrete CDR-Handlungsmaßnahmen vorzugeben und zu etablieren. Im vierten Schritt wurde sich auf die Bereiche Zukunft der Arbeit & digitale Bildung, Daten & Sicherheit sowie Umwelt fokussiert. Im Frühjahr 2020 hat das Unternehmen CDR als eine Säule von Corporate Responsibility (CR) in die Unternehmensstrategie implementiert. CDR-Projekte sollen durch interdisziplinäre Projektteams überall im Unternehmen ansetzen.

CDR-Projekte bei der Otto-Group

Zwei CDR-Praxisbeispiele der Otto Group, die sich in den Bereich „Daten & Sicherheit“ einordnen lassen, sind „TechUcation“ und „Datenminimalismus“.

Die Otto Group hat die Bildungsinitiative TechUcation ins Leben gerufen. Dadurch sollen Mitarbeitende programmieren lernen. Die Mitarbeitenden absolvieren bei diesem verpflichtenden Angebot anhand von Bausteinen Lerninhalte zum Thema Digitalisierung. Anschließend können interessierte Mitarbeitende weitere freiwillige Bausteine absolvieren.

Ein weiteres Projekt der Otto Group ist das Projekt „Datenminimalismus“. Ziel ist es, herauszufinden, wie Energie und Strom gespart werden können, indem nicht notwendige Daten weggelassen werden. Jedoch dürfen durch das Weglassen einiger Daten keine Sicherheitslücken oder Einschränkungen des operativen Geschäftes entstehen.

Blick in die Zukunft

In der Zukunft will sich die Otto Group auf die Weiterführung der geschaffenen Maßnahmen und Strukturen konzentrieren. Mittels der Einbeziehung von Mitarbeitenden und der Integration des Themas in den Alltag will die Gruppe stärker in die Operationalisierung einsteigen. Obwohl die Otto Group ein großes Unternehmen ist, sagt sie von sich selbst, dass sie noch am Anfang des Themas CDR steht und dass sie ihren Fokus in Zukunft verstärkt auch auf ökologische und ökonomische Aspekte in Zusammenhang mit CDR legen wird.

Was Sie mitnehmen können

Bei Betrachtung der Praxisbeispiele wurde deutlich, dass die großen Unternehmen bereits auf den CDR-Zug aufgesprungen sind. Eine ganzheitliche und intensive Beschäftigung mit dem Thema ist für Unternehmen, unabhängig von ihrer Branchenzugehörigkeit, essenziell und unausweichlich. Die Erarbeitung einer CDR-Strategie und insbesondere die Miteinbeziehung der Mitarbeitenden in den Veränderungsprozess ist unabdingbar.

Wir wollen Sie bei der Erarbeitung und Implementierung einer CDR-Strategie unterstützen und Input bezüglich der Herangehensweise geben. Deshalb ist unser Schwerpunktthema die „unternehmerische digitale Verantwortung“. Sie sollen mit praktischen Checklisten, Methoden und Tipps auf Ihrem Weg zu Ihrer CDR-Strategie unterstützt werden.

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