Das beste KI-Tool? Ein qualifiziertes Team macht den Unterschied.

KI im Büro

Bildquelle: erstellt mit KI via Canva (Pro Content license)


29. Juni 2026 | Von Isabelle Bickham

Wer sich aktuell mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt, kennt das Gefühl: Kaum hat man sich in ein neues Tool reingefuchst, erscheinen schon die nächsten fünf. Die KI-Landschaft wächst rasant und es wird zunehmend schwieriger, den Überblick zu behalten. Genau diese Herausforderung begegnet uns auch in unseren Sprechstunden. Viele Unternehmen fragen sich: „Welche Lösung passt zu uns? Wo sollen wir anfangen?“.

Die gute Nachricht: Es geht nicht darum, jedes neue Tool zu kennen oder sofort die „perfekte“ Anwendung zu finden. Unsere Praxiserfahrung zeigt vielmehr, dass der Erfolg von KI an anderer Stelle beginnt: bei den Menschen, den Prozessen und einer offenen Lernkultur. Oftmals macht die Fähigkeit einer Organisation, Veränderungen gemeinsam zu gestalten und neue Technologien sinnvoll in den Arbeitsalltag zu integrieren, den Unterschied.

Tool-Wildwuchs im Unternehmen

In vielen Unternehmen entstehen aktuell KI-Insellösungen: Eine Abteilung testet einen KI-Assistenten für Unternehmenskommunikation, das Marketing experimentiert mit einer Anwendung zur Bildgenerierung und an anderer Stelle wird bereits das nächste Tool im Management eingeführt. Das Ausprobieren neuer Möglichkeiten ist zwar wichtig und ein wertvoller Schritt in Richtung Digitalisierung. Herausfordernd wird es jedoch, wenn jede Lösung für sich allein funktioniert, ohne dass ein durchgängiger Prozess oder eine gemeinsame Strategie dahintersteht. Dadurch entstehen oft unterschiedliche Arbeitsweisen, fehlende Transparenz, Doppelarbeit und jede Menge Unsicherheiten darüber, welche Anwendungen überhaupt genutzt werden und welchen Mehrwert sie tatsächlich bieten.

„Nutzen wir eigentlich die richtigen Tools?“ ist dann oft nicht die entscheidende Frage. Viel wichtiger ist es, eine gemeinsame KI-Strategie zu planen: Welche Herausforderungen möchten wir eigentlich lösen? Welche Tätigkeiten sind besonders zeitaufwendig? Wo fehlt Wissen oder Transparenz? Und welche Kompetenzen benötigen unsere Mitarbeitenden, um KI sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen?

KI ist auch eine Kulturfrage

Oft arbeiten in mittelständischen Unternehmen Menschen mit sehr unterschiedlichen digitalen Vorkenntnissen zusammen. Während einige Mitarbeitende bereits regelmäßig digitale Werkzeuge und KI-Anwendungen nutzen, fühlen sich andere noch unsicher oder haben wenig Berührungspunkte mit neuen Technologien.

Ist das normal? JA! Die digitale Transformation betrifft unterschiedliche Generationen, Berufsbilder und Arbeitsweisen. Genau deshalb ist es wichtig, alle Mitarbeitenden mitzunehmen und Lernangebote so zu gestalten, dass sie für alle zugänglich und verständlich sind. Dazu gehört vor allem ein sicherer Rahmen, um Fragen zu stellen, Unsicherheiten zu thematisieren und Erfahrungen zu teilen.

KI-Qualifizierung ist mehr als eine Schulung

Echte Kompetenz entsteht nicht durch einen einmaligen Workshop. Sie entwickelt sich durch kontinuierliches Lernen, Ausprobieren und den offenen Austausch im Unternehmen. Zu den Skills gehören zum Beispiel:

  • ein Grundverständnis für Künstliche Intelligenz aufzubauen;
  • Chancen und Grenzen von KI kennenzulernen;
  • Ergebnisse kritisch zu hinterfragen;
  • Datenschutz und rechtliche Anforderungen zu verstehen;
  • sinnvolle Anwendungsfälle im eigenen Arbeitsalltag zu erkennen;
  • Sicherheit im Umgang mit neuen Technologien zu gewinnen.

Unternehmen, die eine Lernkultur fördern, schaffen nicht nur mehr Akzeptanz für Veränderungen, sondern geben auch Orientierung und Befähigen die Mitarbeitenden aktiv in der effektiven Nutzung von KI. Gemeinsame Weiterbildungen unterstützen zudem genannte Insellösungen im Betrieb zu vermeiden und eine einheitliche Orientierung im Umgang mit KI zu schaffen. So entsteht aus vielen einzelnen Experimenten Schritt für Schritt eine unternehmensweite KI-Strategie. Denn erfolgreiche KI-Nutzung basiert nicht allein auf den richtigen Tools, sondern auf gemeinsamen Zielen, klaren Rahmenbedingungen und gut informierten Mitarbeitenden.

AI Literacy wird zur dauerhaften Aufgabe und zum Erfolgsfaktor

Mit dem europäischen Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz wird das Thema „AI Literacy“ Pflicht – also die Fähigkeit, KI kompetent und verantwortungsvoll zu nutzen. Unternehmen sind gefordert, sicherzustellen, dass Personen, die mit KI-Systemen arbeiten, über angemessene Kompetenzen verfügen. Viele Organisationen setzen deshalb bereits auf regelmäßige Qualifizierungsmaßnahmen, beispielsweise durch wiederkehrende Auffrischungen, interne Lernformate oder wiederkehrende Sensibilisierungsangebote.

Eine regelmäßige Beschäftigung mit dem Thema kann helfen, Wissen aktuell zu halten, neue Entwicklungen einzuordnen, Risiken frühzeitig zu erkennen und den sicheren und verantwortungsvollen Einsatz von KI zu fördern.

Kultur schlägt Technologie

Die wichtigste Frage für Unternehmen lautet daher „Wie schaffen wir die Voraussetzungen, damit unsere Mitarbeitenden KI kompetent und selbstbewusst nutzen können?“. Unser Zentrum vertritt dabei den Ansatz einer offenen Lernkultur: Neugier fördern, Fragen zulassen, Unsicherheiten und Kritik ernst nehmen, Wissen teilen und gemeinsam lernen.

Gerade mittelständische Unternehmen haben hier den großen Vorteil durch ihre kurzen Wege, eine generell enge Zusammenarbeit und die Möglichkeit, Veränderungen gemeinsam zu gestalten.

Unser Fazit

Investitionen in KI sind wichtig. Investitionen in die Kompetenzen der eigenen Mitarbeitenden sind jedoch die Grundlage dafür, dass diese Investitionen langfristig wirken. Denn die Zukunft der Künstlichen Intelligenz im Unternehmen entscheidet sich nicht allein in der IT-Abteilung.

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Isabelle Bickham

Isabelle.Bickham@h-da.de

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