Gute Texte brauchen mehr als KI

Mit KI texte schreiben

Bild: Canva, Pro Content license


27. Januar 2026 | Von Isabelle Bickham

Ob auf der eigenen Website, auf Social Media oder anderen Werbemitteln: gute Texte sind oft Brücke zur eigenen Kundschaft und Hilfsmittel, um unternehmerische Ziele zu erreichen. Sie schaffen Vertrauen in ein Unternehmen und überzeugen von dessen Produkten und Dienstleistungen. Gerade in mittelständischen Firmen, ohne mehrköpfige Marketing-Abteilung, ist Marketing an ein enges Zeitfenster gebunden. Hier kann KI eine große Unterstützung und Erleichterung sein. Die Gefahr hierbei: Texte wirken unmenschlich oder technisch, wenn sie alles sagen, aber nichts mitschwingen lassen.

KI-Vibe in Texten: Warum sollte ein Unternehmen das vermeiden?

„KI-Vibe“ ist natürlich kein Fachbegriff, sondern die Empfindung, dass ein Text im „typischen KI-Stil“ geschrieben wurde. Vielleicht kennt ihr ja den Gedanken: „Klingt nach KI“. Wann passiert das? Je mehr man sich mit generativer KI zum Schreiben beschäftigt, desto besser sieht man: KI-Texte sind oft…..

  • sehr glatt und allgemein, ohne Tiefe (und Seele?);
  • korrekt, aber austauschbar (keine Einzigartigkeit, kein Wiedererkennungswert);
  • voller sich wiederholender Phrasen & Floskeln, Satzstrukturen, Schlüsselwörter und Inhalte;
  • voller „sicherem“ Vokabular, wie z.B. vage positive Adjektive;
  • mit zahlreichen Gedankenstrichen und Aufzählungen im Dreierpack angereichert;
  • ohne eigene Meinung oder Haltung;
  • ohne konkrete Beispiele, persönliche Einblicke oder Empfehlungen;
  • ohne echte Empathie und Verständnis.

Konkrete Beispiele? Hier ein paar typische Floskeln der KI aus unserer eigenen Arbeit: „In einer Zeit von .. / In einer Welt von…“, „XY ist längst mehr als ein Zukunftsthema“, „XY bringt euch aufs nächste Level“, „Es gibt vielfältige Möglichkeiten.“, oder „Die Veranstaltung ABC – innovativ, effizient, zukunftsorientiert“. Man liest den Text und denkt: Das klingt wie Sprache, aber nicht wie jemand.

Hinweis: Ein einzelnes Merkmal reicht natürlich nicht aus, um sicher festzustellen, dass KI beim Schreiben eines Textes verwendet wurde. Der Verdacht entsteht erst, wenn viele dieser Punkte gleichzeitig auftreten und der Text insgesamt unpersönlich und generisch wirkt.

Die Herausforderung von KI-Texten

Ist KI zu dominant im Text, fällt es schwer damit Vertrauen bei der Leserschaft aufzubauen. Denn KI ist und bleibt Wahrscheinlichkeit und nicht Herz einer Marke. Deshalb bleiben die Texte auch nicht im Kopf und haben insgesamt weniger positive Auswirkung. Zudem klingen alle generischen KI-Texte gleich. Das macht müde und verhindert, dass ein Unternehmen sich im Markt abheben kann. Schlimmstenfalls stößt eine zu offensichtliche Nutzung von KI sogar ab, das sieht man schon in ersten Shitstorms großer Marken, die KI in Video- und Bildproduktion verwenden (z.B. McDonalds & Prinzenrolle). Die gleichen Herausforderungen gelten aber auch für Texte, die Teil der Marke eines Unternehmens sind. Nicht umsonst existieren bereits Begriffe wie „AI Slop“ oder „KI-Schrott“.

Dabei gilt gerade für den Mittelstand: Ihre Persönlichkeit ist Ihre Stärke. Der große Vorteil von KMU gegenüber den großen Konzernen ist die enge, direkte Beziehung zur Kundschaft, das Verständnis, der persönliche Kontakt und Service. So schafft Kommunikation Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Nähe. All das muss aber auch in die Texte einfließen, auch mit KI als Helferchen.

Wie vermeide ich, dass meine Texte nach KI klingen?

Meine Empfehlungen:

  1. KI als Hilfe nutzen, nicht als Ersatz: KI kann strukturieren, erste Ideen liefern und dann im letzten Feinschliff mit Rechtschreibung und Formulierungsbeispielen helfen. Der Kern des Textes sollte jedoch aus der eigenen Erfahrung und auf der Basis der eigenen Zielgruppe wachsen. Hier ist es enorm wichtig, die KI über das eigene Unternehmen und die eigene Kundschaft zu schulen (bitte aber Datenschutz beachten). Einfache Prompts reichen hier nicht aus, um den Texten Persönlichkeit zu verleihen. Unsere besten Prompts fürs Marketing finden Sie hier.
  2. Echte Erfahrungen nutzen: Bauen Sie Texte mit Beispielen aus Ihrem Arbeitsalltag oder aus Gesprächen mit der Kundschaft aus und verleihen Sie ihnen echten Mehrwert. Dazu gehören übrigens auch Herausforderungen oder Fehlschläge. Diese kann keine KI nachahmen. Nutzen Sie diesen Vorteil, um von Ihrer Expertise zu überzeugen.
  3. Eigene Tonalität beibehalten: Ob im Laden, auf der Website oder auf Social Media – entwickeln Sie Ihre eigene Brandvoice und schaffen Sie somit Wiedererkennungswert, auch in der visuellen Kommunikation (Icon-Nutzung, Textaufbau usw.). Auch hier kann die KI geschult werden, indem Sie ihr gelungene Beispieltexte zur Verfügung stellt.
  4. Haltung zeigen: nicht alles ist „spannend“, „innovativ“, oder bringt euch „aufs nächste Level“. Zeigen Sie Ihren Kund*innen wofür Sie stehen und was Sie bewegt.
  5. Kritische finale Kontrolle: KI-Texte können viele Worte verwenden, die scheinbar etwas aussagen, aber letztendlich ohne wirkliche Bedeutung oder Inhalt sind. Hinterfragen Sie deshalb Ihre KI-Texte immer im letzten Schritt und bauen Sie aus.
  6. Einheitliche Regeln im Betrieb schaffen: Entwickeln Sie gemeinsam im Team eine allgemein gültige KI-Richtlinie für den verantwortungsvollen Einsatz von generativer KI in der Kommunikation.

Unser aktuelles Fazit

KI ist ein starkes Werkzeug. Aber Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Nähe entstehen durch menschliche Sprache. Setzen Sie KI deshalb bewusst ein, füttern Sie diese mit Informationen und ergänzen Sie die Texte im Nachgang immer mit Persönlichkeit, eigener Erfahrung und eigenen Tonalität. So treffen die Texte auch ins Herz der Kundschaft.


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