Wie können wir Künstliche Intelligenz (KI) für eine zukunftsfähige Wirtschaft & Gesellschaft gestalten? Und wie können wir KI verantwortungsvoll einsetzen?
Was war da los?
Am 18. September 2025 trafen sich ca. 120 Unternehmer*innen, Studierende und Menschen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung am Waldcampus der HNEE zu einer Veranstaltung der besonderen Art: Ein Barcamp rund um Fragen eines veranwortungsvollen KI-Einsatzes in Betrieben. In Diskussionsrunden, Power-Talks und selbstorganisierten Sessions bearbeiteten sie Themen wie z.B. Tech-Souveränität, „Grüne KI“ und sozial-ethische Fragen.

Dieser Artikel gibt Einblicke in die Veranstaltung und die gewonnenen Erkenntnisse.
Ist KI ein Spiegel, der uns beige macht?
KI wird die Welt, wie wir sie kannten, stark verändern. Doch deutlich ist auch: Sie verändert nicht nur zum Positiven, wie wir leben, arbeiten, wirtschaften.
Während KI Innovation und Effizienz steigert, kommen zunehmend kritische Fragen auf: Welche sozialen, ethischen und ökologischen Risiken bringt sie mit sich? Welche wirtschaftlichen Herausforderungen entstehen für KMU? Wie können wir KI verantwortungsvoll einsetzen?

Dies diskutierten CRD-Expertin Karine Rübner (Head of sustainability, DICONIUM) und Technikkritiker und Autor Jürgen Geuter aka tante, moderiert von Susann Feuerschütz und Gerrit Neuhaus. Es ging um die Bedeutung von KI für die Wettbewerbsfähigkeit für KMU, Auswirkungen auf soziale Gerechtigkeit sowie die ökologischen Auswirkungen.
Einig waren die beiden, dass die Menschen in der Verantwortung bleiben, wie sie KI nutzen. tante merkte jedoch an, dass KI in Betrieben öfter eine Ablenkung von der zielgerichteten Digitalisierung darstellt. Es entstehe Frustration, wenn die vermeintliche „magische Maschine“ keine riesigen Vorteile bringt. In Mustererkennungsproblemen helfe sie jedoch Unternehmen sehr gut. Karine Rübner betonte, dass Betriebe auf das Vertrauen ihrer Beschäftigten in KI-Einführungsprozessen fokussieren müssen. KI sei wie ein Spiegel, der das ausgibt, was die Nutzenden hineingeben:
“Mit großer Macht, und KI ist große Macht, kommt eine hohe Verantwortung. Die Zukunft ist kein Schicksal, sie wird von uns Menschen gestaltet.”
Karine Rübner, Diconium

Hier sieht tante noch sehr viel Luft nach oben, denn aktuell verwandelte generative KI unsere Individualität und Kreativität in gleichförmige Schemata, die vermeintlich wünschenswert seien:

„Generative KI macht alles beige, was wir hineingeben. Zumindest ist dies derzeit bei den großen Sprachmodellen der Fall.“
Jürgen Geuter aka tante
Beide forderten die Teilnehmenden des Barcamps auf, sich auf der Veranstaltung zusammen zu tun und nach kleinen bzw. konkreten Lösungen für praktische Probleme zu suchen. Diese hätte gerade im Unternehmenskontext den größten Mehrwert für die Betriebe, die Gesellschaft und auch für die Umwelt.
Das Video der gesamten Paneldiskussion ist hier zu finden:
So startete das Barcamp – Ein offener Raum für Austausch, Inspiration und Innovation
Unser Barcamp basierte auf Offenheit, Partizipation und Selbstorganisation. Die Teilnehmenden brachten ihre eigenen Themen, Fragestellungen und Erfahrungen ein und gestalteten das Veranstaltungsprogramm selbst.
So kamen alle in lebendigen Austausch, teilten ihr Wissen, lernten voneinander und entwickelten gemeinsam neue Ideen.
Die rund 120 Teilnehmenden waren sehr motiviert, ihre eigenen Fragen und Ideen für das Programm zu pitchen bzw. ihre Interessen zu bekunden. So entstand innerhalb einer kurzer „Sessionplanung“ ein buntes Programm von 17 Sessions wie z.B.
– „Doom-Prompting – Oder: Wie prompted man green“ ,
– „Tool-Souveränität und Unabhängigkeit“,
– „Gemeinwohlorientierte Rechenzentren„,
– „Wie geht ihr KI an?“,
– „KI trifft soziale Innovationen„.


Es gab viele Austauschrunden, Vorträge und spannende Hands-On-Workshops wie z.B. zum Bauen von KI-Agenten mit der Automatisierungsplattform n8n, zum Vibe Coding oder Spielen des Kartenspiels „Data Heroes“.
Einige Impressionen aus den Sessions:






Neue Kraft nach den Sessions schöpften alle im Anschluss beim Snacken und Entdecken mit Angeboten der Gesellschaft für Informatik e.V., dem Zukunftszentrum Brandenburg, dem Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der Technische Hochschule Augsburg.


Dazu gab es Musik von Simon Redfern und Daniel Tippmann aka 3rd Party Influence. Das Duo der Berlin Modular Society performte Techno Musik mit modularen Synthesizern und holte coole Berliner Club-Vibes nach Eberswalde.
„KI ist nicht neutral!“ – Die Power Talks
Zum Abschluss bekamen alle durch drei Power Talks noch wichtige Botschaften mit auf den Nachhauseweg:
Ludwig Lorenz von Common Grounds Forum (CGF) erklärte anschaulich, warum v.a. generative KI immer einen menschlichen Bias in ihren Antworten hat. Dies komme sowohl durch ihr Design und der Trainingsdatenlage, aber auch teils durch gezielt ins Netz gestellte Falschinformationen zustande. Für die Zukunft wünschte er sich:
„Wir sollten die Digitalisierung nutzen, um Chancenungleichheit abzubauen und nicht, um sie zu befeuern.“
Ludwig Lorenz, Common Grounds Forum

Es müsse zugängliche Alternativen geben und Sensibilisierung bzw. Bildung über die Art und Weise, wie KI funktioniere und die Vermittlung von Handlungswissen, wie Menschen die Arbeitsergebnisse von KI bewerten können.
Friederike Rohde vom Bits & Bäume Netzwerk bzw. dem Berlin Ethics Lab der TU Berlin skizzierte die vielschichtige Problematik des Energie- und Ressourcenverbrauchs von KI. Dieser habe sowohl ökologische Folgen, z.B. durch immensen, ansteigenden Wasser- und Stromverbrauch, als auch soziale Konflikte z.B. um Landnutzung oder Verteilungsgerechtigkeit dieser Ressourcen.

Wir müssen ein Gleichgewicht bei der Wissensverteilung herstellen. Die Informationen dürfen nicht in Konzernschubladen verschwinden!“
Friederike Rohde
Denn sowohl der Bau von Rechenzentren als auch die Chipindustrie hätten, in Übersee und auch in Europa nicht nur ein großes „Ressourcenpreisschild“, sondern auch ein Transparenzproblem.
Das Video des Talks von Dr. Friederike Rodhe ist hier zu finden:
Philipp Slusallek, Wissenschaftlicher Direktor vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), stieg in seinem Talk mit folgendem Satz ein:
„Künstliche Intelligenz ist nicht neutral. Die Werte, Normen, Informationen der Menschen, die sie gebaut haben, stecken in dem System drin.“
Philipp Slusallek, DFKI

KI sei nicht vergleichbar mit einer Dampfmaschine, die man für Gutes oder Schlechtes einsetzen kann. Dennoch solle Europa das eigene Licht nicht unter den Scheffel stellen: Der EU AI Act sei ein großer Meilenstein im verantwortungsvollen Umgang mit KI. Trusted AI würde Garantien liefern, was KI-Systeme können sollen, können dürfen und was nicht.
Aus der Forschung berichtete Slusallek von einem Brain-Drain in die USA, da viele sehr gut ausgebildete Forscher*innen dorthin gehen würden, wo sie die Welt (zum Positiven) verändern können. Große, innovative Projekte seien selten in der europäisch-deutschen KI-Forschung; hieran wolle die Inititative CAIRNE etwas ändern. Die Informatik müsse besser zusammenarbeiten und große Linien verfolgen (können); dies sei ein Auftrag an die Politik.
Zuletzt gab er einen Einblick in die Zukunft von großen Sprachmodellen (LLM) und spezialisierten KI-Anwendungen: Derzeit verfügten LLMs als Textvorhersagemaschinen über keinerlei „Weltwissen“, da sie nur Texte über die Welt verarbeiten.

„Der Begriff „Halluzinationen“ von KI ist irreführend. Halluzinieren kann nur ein vernünftiger Geist, der eigentlich das „Richtige“ wissen müsste. KI-Systeme können nur „Bullshitting“ betreiben, weil sie nicht wissen können, was richtig ist.“
Philipp Slusallek, DFKI
Gerade arbeite die Forschung daran, Modelle mit diesem „Weltwissen“ auszustatten. Diese seien leider viel größer (und energieintensiver) als derzeitige Modelle. Jedoch sei das Ziel, aus diesen Modellen spezialisierte Anwendungen für bestimmte Bereiche oder Aufgaben zu destillieren. Hierdurch würden die Destillate energiesparender einzusetzen sein.
Das Video des Vortrags von Prof. Dr. Philipp Slusallek ist hier zu finden:
Ausklang und Fazit
Mit Musik von dem wunderbaren Duo Scott & Lila in den Ohren endete unser Barcamp.
Und es beschäftigt uns weiterhin, was wir an diesem Tag mit so vielen Menschen teilen und diskutieren durften.

Wir danken allen Partnern und Teilnehmenden für diesen besonderen Tag, an dem wir viel gelernt haben. Um es mit einem Songtitel von Scott & Lila zu sagen: „We will make it work!“
Dokumentation
Die Dokumentation, inkl. Programm, die Dokumentation der Sessions sowie ein paar weitere Fotos sind HIER AUF UNSEREM BARCAMP-BOARD zu finden.
FAQ zur Methode Barcamp
Was ist ein Barcamp genau?
Ein Barcamp ist eine offene Tagung ohne vorab festgelegte Agenda. Folglich entstehen die Inhalte durch die Teilnehmenden selbst, die zu Beginn der Veranstaltung Themenvorschläge einbringen. Jede Person kann mitdiskutieren, Fragen stellen oder sogar selbst eine Session anbieten.
Wer kann an dem Barcamp teilnehmen?
Grundsätzlich alle – unabhängig von Position, Vorwissen oder Branche. Denn ein Barcamp lebt von Vielfalt. Daher ist es gerade für KMU eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Unternehmen, Expert*innen und Interessierten zu vernetzen.
Zudem freuen wir uns auch sehr über Personen aus der Forschung, KI-Szene und Zivilgesellschaft. Auch Studierende aller Fachrichtungen sind uns sehr herzlich willkommen.
Was ist eine Session?
Eine Session besteht aus einer ca. 45-minütigen Arbeitseinheit, die Teilnehmende auf dem Barcamp anbieten. Beispielsweise kann es eine Diskussionsrunde, ein Workshop, eine Frage-Runde oder ein Impulsvortrag sein.
Jede*r darf eine Session vorschlagen. Wenn genug Interesse besteht, findet sie statt. Und so besteht die Themenvielfalt des Barcamps aus dem, was die Gruppe aktuell beschäftigt.
Muss ich selbst eine Session anbieten?
Nein, das ist freiwillig. Viele nehmen ohne eigene Sessionvorschläge teil. Bei der Sessionplanung sind sie dann mit dabei, um sich ein Bild vom Programm zu machen und zu entscheiden, an welchen Sessions sie teilnehmen möchten.
Es ist immer möglich, bei der Sessionplanung bzw. beim Vorstellen der Sessions („Pitching“) auch spontan ein Thema einzubringen.
Warum sollte ich zu einem Barcamp gehen anstatt zu einer Konferenz o.ä.?
Ein Barcamp fördert Wissenstransfer, Vernetzung und Innovationsimpulse. Damit ist es besonders relevant für kleine und mittlere Unternehmen, die sich fit für digitale und nachhaltige Transformation machen wollen. Sie erhalten somit neue Perspektiven, direktes Feedback und wertvolle Kontakte.
Der wichtigste Unterschied: Die Teilnehmenden gestalten das Programm selbst und begegnen sich auf Augenhöhe. So ist ein Barcamp dynamisch, flexibel und oft inspirierender als formelle Fachveranstaltungen.
Zum Thema KI gibt es viele Veranstaltungen. Dieses Barcamp gibt Unternehmen die Möglichkeit, sich an einem Tag zu vielen Facetten auszutauschen und Antworten zu finden z.B. auf die Frage: Wie kann ich KI verantwortungsvoll einsetzen?
Wie läuft ein Barcamp konkret ab?
Am Anfang stellen alle Teilnehmenden ganz kurz ihre Themenideen vor („Pitching“). Jede Vorstellung dauert nur max. 1 Minute. Nach jedem Pitch wird abgefragt, ob diese Session von Interesse für die Gruppe ist.
Danach entsteht gemeinsam ein Session-Plan für den Tag. Wir ordnen die Sessions den vorhandenen Slots und passenden Räumen zu.
Das Programm mit dem fertigen Sessionplan bleibt für alle sichtbar an einer Pinnwand. Zudem stellen wir es online zur Verfügung.
Danach finden parallel laufende Sessions in verschiedenen Räumen statt. Alle entscheiden frei, an welchen sie teilnehmen möchten – ein Kommen und Gehen ist ausdrücklich erwünscht.
Zudem werden wir versuchen, jede Session zumindest in Teilen mit einem kleinen Ergebnisprotokoll online zu dokumentieren, das allen live und auch im Nachgang zur Verfügung steht.
Partner des Barcamps
Das Barcamp ist eine Kooperation mit unterschiedlichen Partnerinstitutionen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, die wir im Folgenden aufgelistet haben:
Kontaktmöglichkeiten oder Sessionideen:
Für Anregungen oder Fragen rund ums Barcamp bitten wir um Kontaktaufnahme per E-Mail: zukunftskultur@hnee.de
Abschließend freuen wir uns auch über einen persönlichen Kontakt. Als Ansprechpersonen stehen im Zentrum Susann Feuerschütz und Gerrit Neuhaus zur Verfügung.























