Werkzeug statt Konkurrenz: Wie KI Teilhabe fördert und neue Wege für Unternehmen eröffnet 

Demonstrator Build Green

Bildquelle: Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur

Demonstrator Build Green


5. August 2025 | Von Anne Lammich, Redaktion

„Ich möchte KMU dabei unterstützen, Künstliche Intelligenz zu verstehen und Zukunftskompetenzen aufzubauen. So kann KI gezielt als Werkzeug eingesetzt werden, um menschliche Fähigkeiten und Werte im Arbeitsalltag zu stärken und Inklusion im Betrieb zu fördern.“ 

Mit diesem Anspruch begleitet unsere KI-Trainerin Anne-Liese Lammich kleine und mittlere Unternehmen im Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur. Dazu schafft sie in ihren Workshops und Veranstaltungen Räume, in denen Neugier entstehen darf, Berührungsängste abgebaut und neue Blickwinkel in Richtung Technologie möglich werden. Durch ihren fachlichen Hintergrund aus Architektur und Transformationsmanagement urbaner Räume bringt sie technisches Verständnis und gesellschaftliche Perspektiven zusammen. Ihr Ziel: KI nicht als Selbstzweck, sondern als menschenzentriertes Werkzeug für eine zukunftsfähige Arbeitswelt zu etablieren. 

Liebe Anne, du sprichst in deiner Arbeit mit vielen Unternehmen – was ist aus deiner Erfahrung heraus wichtig, wenn es um die Akzeptanz neuer Technologien wie KI und Extended Reality (XR) im Betrieb geht? 

Veränderungen im Arbeitsalltag können schnell verunsichern – das gilt auch für neue Technologien wie KI oder Extended Reality (XR). Viele fragen sich: Was kommt da auf mich zu? Wird mein Arbeitsplatz ersetzt? Welche Routinen verändern sich? Ich höre in meiner Arbeit oft von solchen Sorgen und finde sie sehr menschlich und nachvollziehbar. Gleichzeitig ist Wandel aber nichts Neues, auch wenn die Geschwindigkeit sich in Bezug auf Technologie stark beschleunigt hat. Entscheidend ist, mit welcher Grundeinstellung, Offenheit und persönlichen Flexibilität wir den Veränderungen begegnen. 

Ich möchte dafür plädieren, Technologien wie KI nicht als Konkurrenz, sondern als Werkzeug zu begreifen. Werkzeug, das, wenn es richtig eingesetzt wird, unsere Arbeit erleichtert und unseren menschlichen Fähigkeiten mehr Raum geben kann. Dafür braucht es aber entsprechende Kompetenzen:  nämlich die Fähigkeit, Technik nicht nur zu bedienen, sondern Auswirkungen einschätzen zu können und Technologie verantwortungsvoll einzusetzen.  

Außerdem ist es wichtig, niedrigschwellige Zugänge zu neuen Technologien zu schaffen. Oft reicht es, etwas einfach mal auszuprobieren, um zu erleben, dass es funktioniert und hilfreich ist. Das nimmt Berührungsängste. Aus diesem Grund arbeiten wir im Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur oft mit Praxisbeispielen und Demonstratoren. Wir haben beispielsweise den XR-Demonstrator „Build Green“ entwickelt – einen Demonstrator, der am Anwendungsfall der Baubranche die Potenziale immersiver Technologien erlebbar macht – und sind damit regelmäßig auf Veranstaltungen in ganz Deutschland unterwegs. Auch mit Veranstaltungsformaten wie „Try Me! KI-Demonstratoren“ schaffen wir Erfahrungsräume, in denen Technologien ausprobiert werden können – ganz ohne Druck. Viele Teilnehmende setzen sich dort zum ersten Mal bewusst mit XR oder KI auseinander. Ihre Neugierde und Begeisterung zu wecken, ist für mich immer einer der schönsten Momente in meiner Arbeit! 

Wenn es um die Umsetzung im eigenen Betrieb geht, braucht es vor allem eins: Mut, den ersten Schritt zu machen. Unternehmen können mit kleinen Pilotprojekten starten, Feedback einholen, Anpassungen vornehmen und Maßnahmen schrittweise ausweiten. Skalierung ist hier das Stichwort.  

Und mit Blick auf KI: Die Richtung ist klar. KI wird den Arbeitsalltag zunehmend prägen. Es werden weitere neue KI-Anbieter und Produkte auf den Markt kommen und das in einem hohen Tempo, das gerade erst Fahrt aufnimmt. 
Ich bin der Meinung, dass KI selbst uns nicht so schnell die Arbeit wegnehmen wird.  Aber Menschen, die gelernt haben, sie klug zu nutzen, könnten es tun. Es geht also nicht um ein Ersetzen, sondern darum, die eigenen Fähigkeiten gezielt zu erweitern. Offenheit für Innovation und Lernbereitschaft sind der Schlüssel dazu. Im Alltag ist KI längst angekommen. Unternehmen sind nun im dringenden Zugzwang, die Entwicklungen rechtzeitig im eigenen Betrieb mitzugestalten. 

Du möchtest Betriebe gezielt dabei unterstützen, ihre Teams fit für die Zukunft zu machen. Wie kann KI konkret dabei helfen, das Fachkräfte-Potenzial in einem typischen mittelständischen Unternehmen zu heben? 

Viele wissen schon, dass KI Prozesse automatisieren, Effizienz steigern und vorausschauend planen kann. Ein Feld, das meiner Meinung nach noch nicht genug betrachtet wird, in dem aber ein großes ungenutztes Potenzial für Fachkräfte liegt, ist die Stärkung von Inklusion und Teilhabe in der Arbeitswelt.  

KI kann helfen, Barrieren abzubauen! Ein beinahe alltägliches Beispiel sind Tools, die Sprache in Echtzeit transkribieren und Übersetzungstools, die Text in diverse Sprachen und Schriften übersetzen können. KI kann aber auch genutzt werden, um bspw. Menschen mit Beeinträchtigungen einzubinden und die Inklusion und Teilhabe in der Arbeitswelt zu fördern: Es gibt bspw. Handschuhe mit KI-Sensoren, die Gebärdensprache in gesprochene Sprache umwandeln und Menschen im wahrsten Sinne eine Stimme geben. Oder smarte Brillen, die sehbeeinträchtigten Menschen ihre Umgebung beschreiben, um sie sicher durch ihren Alltag zu leiten und Barrieren zu umgehen. Diese realen Beispiele zeigen nicht nur beeindruckende technische Lösungen – sie schaffen echte Teilhabe. Hier zeigt sich, wie KI-Assistenzsysteme Menschen auch dort berufliche Perspektiven eröffnen, wo sie zuvor noch an alltäglichen Hürden gescheitert sind.  Sie erschließen gleichzeitig ein Fachkräftepotenzial, das bislang zu großen Teilen ungenutzt ist.  

Nicht zuletzt kann KI auch bei der Qualifizierung und beim Wissenstransfer unterstützen. Durch personalisierte Lernpfade, gezielte Schulungstools oder Mentoringsysteme wird die Ausbildung von Nachwuchskräften gefördert. Auch bei der Dokumentation und gezielten Weitergabe von bereits vorhandenem Wissen und Fähigkeiten kann KI als Werkzeug dienen. Das ist besonders in Veränderungsprozessen hilfreich. 

Insgesamt denke ich: Wenn wir KI verantwortungsvoll und menschenzentriert einsetzen, kann sie ein echter Hebel sein. Nicht zum Ersatz von Fachkräften, sondern zur Befähigung und Erweiterung ihrer Möglichkeiten. 

In deinen Workshops erlebst du viele ‘KI-Erstkontakte’. Wie hilfst du in dieser Situation dabei, einen Zugang zu finden? 

Auf Veranstaltungen treffe ich oft auf Menschen, die glauben, sie hätten noch nie mit KI zu tun gehabt. Was viele überrascht: Künstliche Intelligenz begegnet uns längst im Alltag – etwa bei der automatischen Bildoptimierung in der Handykamera, bei der Internetsuche, bei personalisierten Vorschlägen und Empfehlungen für Medien oder durch Assistenzsysteme im Auto. 

Diese vermeintlichen „Erstkontakte“ sind also meist nur der erste bewusste Moment, in dem jemand realisiert: „Das ist auch KI?“ Genau dort setze ich an. Ich versuche, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie selbstverständlich KI bereits Teil unseres Lebens ist und uns unterstützt – oft ohne, dass wir es merken. 

Das baut Hemmschwellen ab und zeigt: Man muss kein*e IT-ler*in sein, um KI nutzen zu können. Oft hilft schon ein Perspektivwechsel: Weg von der abstrakten Technologie hin zu den ganz konkreten Anwendungsmöglichkeiten im eigenen Alltag oder Beruf. 

Zum Schluss ein Blick hinter die Kulissen: Welche kleine administrative Routine rettet dir den Tag, damit du den Kopf frei hast fürs große Ganze der KI-Transformation? 

Ich nutze KI meist in Form von Bild- und Textgenerierender KI. Zum Beispiel zum Brainstormen, um Gedanken zu sortieren. Oder um aus einer ersten vagen Idee schrittweise ein klar strukturiertes Konzept zu entwickeln. Für mich ist KI eine sehr wertvolle Sparring-Partnerin. Sie hilft mir, schneller in die Tiefe zu kommen, neue Perspektiven einzunehmen und manchmal auch, gedankliche Knoten zu lösen. 

Das entlastet mich besonders mental und gibt mir mehr Raum für die inhaltliche Arbeit und für den Blick aufs große Ganze. 

Unsere KI-Trainer*innen stellen sich vor

Künstliche Intelligenz im Unternehmen – wir begleiten Sie auf diesem Weg: Unsere KI-Trainer*innen unterstützen Unternehmen aus dem Mittelstand dabei, KI sinnvoll und praxisnah einzusetzen. Dazu gehört nicht nur die passende Tool-Auswahl, sondern auch der gezielte Wissensaufbau im Betrieb und weiterführende Schulungen der einzelnen Mitarbeitenden.
Für einen Blick hinter die Kulissen haben wir mit unseren KI-Trainer*innen gesprochen – über ihre Arbeit, ihre spannendsten Projekte und was sie dabei antreibt:

Kontaktmöglichkeit

Anne Lammich

anne-liese.lammich@businessschool-berlin.de

+49 331 / 730404 – 303

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