Agile Produktentwicklung

Mitarbeiter*innen von Merentis im Workshop


20. Januar 2023 | Von Danny Kensa

Ein Erlebnis-Workshop für die Merentis GmbH in Bremen.

Agilität – Modetrend oder sinnvolles Werkzeug für KMU? Diese Frage stellt sich auch die Merentis GmbH, ein in Bremen angesiedeltes Software-Unternehmen mit rund 100 Beschäftigten. Wir haben dem Unternehmen die agile Produktentwicklung nicht erklärt, sondern in einem Praxis-Workshop erlebbar gemacht.

AUSGANGSLAGE

Die Firma Merentis GmbH ist ein in Bremen angesiedeltes Software-Unternehmen mit rund 100 Beschäftigten, gegliedert in die beiden Geschäftsbereiche Intelligente Prozesse & Lösungen sowie Managed Services. Das Angebotsportfolio besteht u. a. aus Anwendungen in den Bereichen Robotic Process Automation (RPA), Prozessintelligenz und –assistenz, Content Services und Beratungsdienstleistungen.

Es wird eine branchenübergreifende und größenunabhängige Klientel adressiert. Bei Merentis arbeiten, neben dem bereits agil arbeitenden Forschungs- & Entwicklungsbereich, dem MERENTIS e:hub, klassisch strukturierte und organisierte Teams an der Entwicklung neuer oder bestehender technischer Lösungen.

Aktuelles Thema

Auf Initiative des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Bremen rückte im Unternehmen das Thema „Agiles Arbeiten“ verstärkt als Möglichkeit der Effektivitätssteigerung in der Entwicklung in den Fokus. Diesen methodischen Ansatz hat das Unternehmen bislang vereinzelt in der Praxis umgesetzt. Das Interesse des Unternehmens an diesem Ansatz besteht auch deshalb, da Großkunden agile Entwicklungsprozesse verstärkt einfordern.

Herausforderungen, Ideen und Bedenken

Das Unternehmen verfügt bisher über wenig praktische Erfahrungen mit agiler Produktentwicklung und agilen Teamstrukturen. Insbesondere von Seiten der aktuellen Teamleiter*innen ist sowohl Neugier als auch Skepsis bezüglich agiler Arbeitsmethoden spürbar – im Hintergrund stehen dabei die Fragen und Unsicherheiten nach der eigenen Rolle als Führungskraft in sich künftig selbst organisierenden agilen Teams.

Vor diesem Hintergrund haben wir sowohl das fiktive Szenario als auch den Veranstaltungsort ganz bewusst aus dem gewohnten operativen Umfeld der Teilnehmenden herausgelöst – ein Erlebnis-Workshop an realen operativen Szenarien birgt ein hohes Risiko, zu stark auf vorhandene fachliche Exzellenzen und vertraute Muster zu fokussieren, statt sich auf die unbekannte methodische Herangehensweise einzulassen. 

Dank der Unterstützung des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Bremen konnten wir unseren Erlebnis-Workshop in den neuen, für das Experimentieren bestens ausgestatteten Räumlichkeiten des Digital Hub Industry Bremen durchführen.

HILFE DURCH DAS MITTELSTAND-DIGITAL ZENTRUM

Die Unterstützung der Merentis GmbH erfolgte in einem mehrstufigen Prozess. Den ersten Kontakt zum Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur stellte das Unternehmen beim Online-Event „Pausensnack Agilität“ her. In einem zweiten Schritt nahmen ausgewählte Mitarbeiter*innen der Merentis GmbH an einer vertiefenden Online-Sprechstunde des Zentrums teil – durch den intensiven Austausch wurde die Idee zur Durchführung des „Erlebnis-Workshops“ zur agilen Produktentwicklung mit Scrum geboren. Die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung und Durchführung wurde durch ScrumMaster Danny Kensa in enger Abstimmung mit der Merentis GmbH und dem Mittelstand 4.0-Kompetenzentrum Bremen sichergestellt.

Lösungen – wir machen Agilität erlebbar

Der Erlebnis-Workshop startete mit einem kurzen Impuls zur Methodik „Scrum“ und der Verteilung der dazugehörigen Rollen:

  • Danny Kensa übernahm die Rolle des ScrumMasters;
  • Holger Schneider die Rolle des Product Owners, diese entspricht dem der Kund*innen-Repräsentant*innen bzw. Auftraggeber*innen;
  • die anwesenden Mitarbeiter*innen von Merentis schlüpften in die Rolle des selbstorganisierten interdisziplinären Entwickler*innenteams;
  • Nadine Mussehl unterstützte und dokumentierte die Zusammenarbeit des Teams.

Zur Verwirklichung der Kund*innenvision durchliefen die Teilnehmer*innen zwei exemplarische Scrum-Sprints, jeweils inklusive der Events Planning, Standup, Review und Retrospektive. Die Produkte wurden als metaphorischen Modelle aus LEGO®-Steinen1 entwickelt.

Ergebnisse und Fazit

Im Rahmen des halbtägigen Workshops wurde agiles Arbeiten in selbstorganisierten Teams am Beispiel einer fiktiven Produktvision erlebbar gemacht. Die Teilnehmer*innen empfinden ihre ersten Erfahrungen mit agilen Entwicklungsprozessen als wertvoll und vor allem übertragbar auf ihre operativen Aufgabenfelder:

Mir hat sich die Agilität heute als Werkzeug neu erschlossen – als Team haben wir aus vagen Visionen und Anforderungen in sehr kurzer Zeit echte Produkte entwickeln können! Wir haben zielgerichtet und punktgenau miteinander kommuniziert und dadurch unheimlich viele Synergien in den Produkten und im Team geschaffen. Das agile Vorgehen lässt sich auf viele operative Bereiche unseres Unternehmens übertragen und dürfte uns sehr nützlich sein.

Finn J.

Agile Kommunikations- und Arbeitsprozesse machen für KMU also immer dann Sinn, wenn komplexen Herausforderungen und sich ständig wandelnden Rahmenbedingungen in volatilen Märkten strukturiert und ressourcenschonend begegnet werden soll. Unternehmen müssen sich dabei nicht als komplette Organisation einer agilen Methodik „unterwerfen“ – vielmehr ist es angeraten herauszufinden, wo im Unternehmen agiles Vorgehen einen Mehrwert gegenüber den aktuellen Prozessen darstellt und dann gezielt in diesen Bereichen erste Erfahrungen mit agiler Arbeit zu sammeln.

Dos & Dont´s

Was können Sie als Unternehmer*in oder Führungskraft tun, um in der Organisation agiler zu werden?

Dos

  • Selbstorganisation von Teams als Chance zur Optimierung von Arbeitsabläufen und zur Teambildung begreifen
  • Interdisziplinäre Teamstrukturen und Selbstorganisation ermöglichen
  • Vertrauen in die produktive Arbeit von selbstorganisierten Teams schenken!
  • Das Team aus eigenen Fehlern lernen lassen
  • Aufgaben übernehmen lassen (Pull-Prinzip)
  • Mitarbeiter*innen aktiv in Entwicklungsprozesse einbinden, auch schon bei der Ideenfindung und dem Projektdesign
  • Auch späte Anforderungsänderungen willkommen heißen und adaptiv in die Produkt-Entwicklung einbeziehen
  • Regelmäßige interne Austauschformate für die Teams initiieren und begleiten
  • Gegenseitige, selbstgesteuerte Unterstützung und Ressourcenverteilung der Teammitglieder im Entwicklungsprozessen anregen
  • Dem Entwickler*innenteam eine*n „Kümmerer*in“ an die Seite stellen

Don‘ts

  • Langfristige und kleinteilige Projektpläne (vor)schreiben
  • In „Expert*innen-Silos“ (Abteilungen) agieren
  • Aufgaben direktiv zuweisen und umsetzen lassen (Push-Prinzip)
  • Anforderungsänderungen ablehnen
  • Aktuelle Veränderungen der Rahmenbedingungen ignorieren
  • Nur die Perspektiven von Führungskräften in Entwicklungsprozessen einbeziehen
  • Nur die eigene Perspektive zum Produkt berücksichtigen
  • über formale Eskalationskanäle kommunizieren
  • Fehler durch kontinuierliche Kontrollen grundsätzlich vermeiden wollen

Kontakt

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Danny Kensa

danny@kensa.one

0172-7859692

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hschneider@ftk.de

0231 – 975056-21

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nmussehl@uni-bremen.de

0421 – 21866-881

1 Wichtiger Hinweis gem. der LEGO® SERIOUS PLAY® Trademark Guidelines

Holger Schneider, FTK e. V., ist befähigt, Workshops nach der Methode LEGO® SERIOUS PLAY® zu moderieren. LEGO, SERIOUS PLAY, die Minifigur sowie die Steine- und Noppen-Konfigurationen sind Trademarks der LEGO Gruppe, die diesen Workshop und diese Dokumentation nicht sponsert, autorisiert oder unterstützt.    

(LEGO, SERIOUS PLAY, the Minifigure and the Brick and Knob configurations are trademarks of the LEGO Group, which does not sponsor, authorize or endorse this workshop and documentation.) © [2023] The LEGO Group

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