Vom Metallbauer zum Solarcarporthersteller: Die Firma umetec Gmbh aus Eberswalde ist ein klassisches Metallunternehmen, das seit über 20 Jahren Teile für die Bahn-, Windkraft- und Maschinenbauindustrie Teile fertigt. Die Inhaberin Alexandra Walter hält ihr knepp 50-Personen-starkes Unternehmen modern, innovativ und setzt auf Nachhaltigkeit, um im umkämpften Stahlbau zu bestehen. So entstand mit dem Solarcarport CARTHEIA eine Produktinnovation im Unternehmen. Das langlebige Stahlcarport ist die erste Eigenentwicklung des Unternehmens. Ihre Idee: KMU, Kommunen, sowie öffentliche Institutionen überdachen ihre Parkflächen, produzieren dabei Solarstrom und schützen gleichzeitig die Fahrzeuge vor Witterungseinflüssen.
Mit einem Prototyp auf dem Werksgelände und einem realisierten Projekt in Frankfurt (Oder), sah umetec großes Potenzial, mit Fokus auf Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft, CARTHEIA im Markt besser zu positionieren. Denn die hohe Langlebigkeit des Stahlcarports über mehrere Jahrzehnte hinweg war kein entscheidendes Verkaufsargument für die Kunden. Mit Blick auf die Potenziale, die sich für langlebige Produkte aus der Circular Economy ergeben, wollte umetec ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand setzen. So kam das Angebot des Zentrums Zukunftskultur und der Thüringer Energieagentur sehr recht: Sie nahmen an dem ersten Thüringer CIRCO-Track teil. Das Ziel: Gemeinsam mit anderen mittelständischen Unternehmen die Kreislauffähigkeit ihres Produktes in Frage zu stellen – von einfachen Datenflüssen bis zum komplexen Servicemodell.
Als Endprodukt hat das Solarcarport aus Stahl im Gegensatz zu den übrigen Produkten des Unternehmens eigene Vertriebs- und Fertigungsprozesse sowie eine eigene Zielgruppe. Es gab viele Ideen und Vorteile, dieses abgegrenzte Geschäftsmodell zu innovieren. Die Hoffnung: Erkenntnisse daraus auch für das Kerngeschäft ableiten zu können, in dem Nachhaltigkeit auch immer wichtiger wird.
Gleichzeitig wurde schnell klar: Das zirkuläre Geschäftsmodell muss sich in einen Rahmen einfügen, der im Kern weiterhin linear ausgerichtet bleibt. Hieraus ergaben sich einige Herausforderungen, z.B. in der tagtäglichen Kundenkommunikation oder in der Skalierung eines möglichen Serviceangebotes. Eine klare, effiziente digitale Infrastruktur muss die Grundlage sein, um im angemessenen Kostenrahmen als Unternehmen zu wirtschaften. Und das Wertversprechen wie z.B. eine Rücknahme des Solarcarports muss für alle zufriedenstellend eingelöst werden können. So begann die Suche nach einer zirkulären und umsetzbaren Produktinnovation im Unternehmen.
Das Team des Zentrum Zukunftskultur begleitete umetec, bestehend aus dem Projektleiter CARTHEIA und dem Leiter des Marketingteams, bei ihrem ersten CIRCO-Track. Innerhalb von rund sechs Wochen durchlief das Team ein individuelles Online-Auftaktgespräch sowie vier Workshops. Mit dabei: Drei weitere Thüringer Unternehmen, das Team der THEGA sowie ein CIRCO-Trainer aus den Niederlanden.
Zunächst analysierten sie die Wertschöpfungskette von CARTHEIA auf zirkuläre Potentiale. Anschließend wählte das Team die vielversprechendste Idee aus und entwickelte sie zu einem passenden Produkt- und Geschäftsmodell weiter. Im letzten Schritt entstand ein konkreter Maßnahmenplan samt Roadmap und Pitch vor den anderen Unternehmen. Der gesamte Prozess wurde durch einen individuellen Trainercall, kontinuierlichen Erfahrungsaustausch mit teilnehmenden Unternehmen sowie die durchgehende Unterstützung der CIRCO-Trainer*innen begleitet. Dazwischen traf sich das Team mehrmals online und in Eberswalde. Sie vertieften die gewonnenen Ideen, glichen sie ab (z.B. mit echten Daten zur Abschätzung der Machbarkeit) und optimierten den Plan.
EXKURS: DAS IST CIRCO: Die Methode stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Sie wird in Deutschland seit 2021 von der Effizienz-Agentur NRW (efa) als CIRCO-Hub angeboten. Durch die Zusammenarbeit mit der efa steht das Format ab 2026 erstmals auch Unternehmen in Thüringen offen. Es leistet damit einen Beitrag zur Förderung zirkulärer Wertschöpfung über Landesgrenzen hinweg. Teilnehmen können Mitarbeitende von Thüringer Unternehmen beziehungsweise Unternehmensstandorten. Das Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur hatte mit CIRCO bereits im Rahmen ihrer Reisen in die Kreislaufwirtschaft wiederholt Kontakt. Daher hatte es eine Zusammenarbeit im Rahmen eines zirkulären Digitalisierungsprojektes angeregt.
Am Ende des CIRCO-Tracks stand ein Geschäftsmodell sowie ein mehrstufiger Plan für die Umsetzung in die Praxis. In einem zweiten Schritt bearbeitete das Team des Zentrums Zukunftskultur und von CARTHEIA nun das Thema „Datenmanagement“. Sie erhoben den Ist-Stand der Daten- und IT-Infrastrukturen rund um CARTHEIA und mit Blick auf die Zusammenhänge ins „Mutterunternehmen“. Ebenfalls wurden die gesetzlichen Anforderungen in den Blick genommen, die u.a. rund um den digitalen Produktpass, der in den nächsten Jahren verpflichtend für Endprodukte aus Stahl, mit Batteriespeichern (Batteriepass) sowie PV-Anlagen wird.

Mit Hilfe von Schraubfundamenten soll das CARTHEIA Solarcarport in einem ersten Schritt rückstandslos demontagefähig gemacht werden. So wird es attraktiv für eine zweite, dritte oder sogar vierte Nutzung durch Endkunden, die eine solare Parkplatzüberdachung für kürzere Zeiträume wie z.B. 5-10 Jahre benötigen.
Eine Rücknahmeoption für Kunden ermöglicht dies und soll die, in der Herstellung energieintensiven und langlebigen Carports wirtschaftlich attraktiv und gleichzeitig zirkulär machen.
In weiteren Schritten gibt es Ideen, das Carport einem Redesign für Modularität, leichtere Demontage und schnelle Reparierbarkeit/Wiederaufbereitung zu unterziehen. Eine weitere Geschäftsidee ist es, ein Leasing-Modell in Kooperation mit anderen Unternehmen aufzubauen.
Das Datenmanagement sollte von Beginn an mitgedacht werden: Durchgängige IT-Lösungen, gutes Schnittstellenmanagement, Interoperabilität und die Erstellung eines digitalen Produktpasses, der für Hersteller und Kunden gleichermaßen Mehrwerte bietet, sind die Ziele. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz z.B. durch ein On-Premise-RAG-System wurde bereits diskutiert.
Mit den erarbeiteten Ergebnissen sieht sich CARTHEIA gut aufgestellt, um mit einem smarten Datenmanagement ihr Solarcarport zu einem zirkulären Geschäftsmodell weiterzuentwickeln und, dank der Roadmap, fundierte Entscheidungen für die nächsten Schritte zu treffen.
