Fehlerkultur – Warum ist sie für Unternehmen wichtig?

Frau am Whiteboard, Lachen

Bildquelle: RAEng_Publications von Pixbay


15. Juli 2022 | Von Marie Graw

Wenn wir an Fehler denken, denken wir auch meist an Scheitern, Angst, Unsicherheit und fühlen uns unwohl.  Niemand macht gerne Fehler, insbesondere wenn andere vom eigenen Fehler mitbekommen. Eine Umfrage gibt Einblick: Einerseits sind vier von fünf der Deutschen der Meinung, dass Fehler machen Lern- und Verbesserungspotenziale bietet und bei der Selbstreflektion hilft. Andererseits wird bei Fehlern im Arbeitskontext dies nur von zwei von fünf der Deutschen ebenfalls bestätigt. Dies könnte am Fehlen einer unternehmensinternen Fehlerkultur liegen.

Problematisch ist, dass dort wo Angst vor Fehlern besteht, Innovation und Weiterentwicklung stehen bleiben. Es scheint, als herrscht eine unternehmerische Angst vor dem Scheitern. Dabei ist – viel wichtiger als die Fehlervermeidung – die Realisation, dass unternehmerischer Fortschritt nur durch Ausprobieren, etwas Wagen, Lernen, Testen und eben auch mal Scheitern, entstehen kann.

Mitarbeitende verbinden mit Fehlern häufig negative Konsequenzen. Führungskräfte sollen eigenständig die richtigen Entscheidungen treffen. Unternehmen sollten jedoch ein positives und bestärkendes Umfeld für den Umgang mit Fehlern schaffen und sie als Potenziale zur Verbesserung verstehen.

Auch wenn ein Unternehmen bereits Methoden zum Fehlermanagement implementiert hat, gilt es herauszufinden, ob sie sich auf alle Unternehmensbereiche anwenden lassen. Es könnte beispielsweise Bereiche geben, bei denen das Fehlermanagement gut funktioniert und andere, bei denen bereits die Fehlerdokumentation problematisch ist. Grund für diese Unterschiede ist häufig das Fehlen einer unternehmensinternen Fehlerkultur. Eine Fehlerkultur ermöglicht die umfassende Wirkung von Fehlermanagementmethoden.

Was bedeutet Fehlerkultur?

Es gibt noch keine einheitliche Definition des Begriffs „Fehlerkultur“, jedoch kann gesagt werden, dass sie einen Bestandteil der Unternehmenskultur darstellt. Zentral ist die Einstellung zu Fehlern und der Umgang mit diesen. Wichtig zu sagen ist, dass es sich dabei nicht um die Zuweisung von Schuld, sondern um eine gemeinsame problem- und lösungsorientierte Herangehensweise handelt.

Warum ist eine Fehlerkultur notwendig?

Fehler passieren nicht grundlos, sondern haben immer eine Ursache. Für Unternehmen ist es dabei wichtig, die Ursache herauszufinden und das dem Fehler zugrundeliegende Problem zu beseitigen. Probleme und Fehler im Unternehmen können die Erstellung und Auslieferung mangelhafter Produkte oder Dienstleistungen bedeuten. Dies kann im Ernstfall mit wirtschaftlichen Verlusten einhergehen. Aus diesem Grund ist es essenziell, den Problemfeldern auf den Grund und an den Kragen zu gehen. Doch wie können Problemfelder identifiziert werden? Damit Probleme gelöst und Fehler behoben werden können müssen Probleme oder Fehler erst einmal gemeldet und dokumentiert werden. Ein Beispiel: in einem Handwerksbetrieb soll eine Bestellung ausgeliefert und montiert werden. Jedoch befindet sich das Produkt nicht im Lager. Irgendwo in der Prozesskette ist ein Fehler passiert und er sollte behoben werden, damit die Kund*innen ihre Ware zukünftig termingerecht erhalten.

Fehlermeldung durch Fehlerkultur

Doch damit Maßnahmen ergriffen werden können müssen Fehler gemeldet werden. Hier setzt die unternehmensinterne Fehlerkultur an. Wissen die Mitarbeitenden, dass die Meldung des Fehlers keine negativen Auswirkungen hat, die Meldung wertfrei und sachlich dokumentiert wird und auch keine Schuldzuweisung erfolgt, werden Fehler eher gemeldet. Damit Wertfreiheit und Nüchternheit bei der Fehleraufnahme sichergestellt werden kann empfiehlt es sich, eine*n neutrale*n Moderator*in hinzuzuziehen.

Fehlerkultur und Gamification

Auch durch spielerische Ansätze können Mitarbeitende zur Fehlermeldung bewegt werden. „Wir gegen das System“ könnte beispielsweise ein solcher Ansatz sein. Hier geht es nicht darum, Andere für Fehler verantwortlich zu machen, sondern vielmehr darum, dass die Mitarbeitenden zusammen gegen das „fehlerhafte System“ kämpfen – mit dem Ziel, Fehler auszumerzen.

Auch die Kür des „Bocks der Woche“ könnte helfen, das Thema „Fehler“ humorvoll anzugehen. Hier wird beispielsweise eine Kund*innenbeschwerde gemeinsam betrachtet, analysiert und nachverfolgt, wie es zu dieser Beschwerde kommen konnte. Dabei geht es darum, gemeinsam herauszufinden wo das System oder die Teamleistung nicht funktioniert hat. Auch sollte herausgefunden werden, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit dies nicht mehr passiert. Der Bock der Woche kann jedoch auch ein schlechter Zustand im Unternehmen sein (etwa die verschmutze Küche). Hier kommt wieder der spielerische Ansatz zum Tragen. Mitarbeitende können im Unternehmen mit der Kamera auf die Suche nach dem Bock der Woche gehen. Besonders für Unternehmen die Sicherheits- und Hygienestandards eingeführt haben, könnte dies interessant sein. Ziel ist es, dass Mitarbeitenden die Angst vor der Fehlermeldung genommen wird und sie auch sehen, dass es Spaß machen kann dies zu tun.

Nicht zu vergessen ist, dass die Mitarbeitenden auch über die Möglichkeiten der Fehlermeldung informiert sind. Dies kann über das Intranet (falls vorhanden), über Screens, Infotafeln, Plakate oder Flyer passieren. Nur wenn Mitarbeitende wissen, dass es ein System zur Fehlermeldung gibt, können sie dieses auch nutzen.

Fehlerdokumentation

Ein Tool zur Fehlerdokumentation sollte ebenfalls im Unternehmen eingeführt werden. Nachdem ein Fehler gemeldet wurde, sollte es ein Tool geben, mit dem Fehler dokumentiert werden können. So kann nachgehalten werden, welche Fehler besonders häufig auftreten und zielführender nach den Ursachen gesucht werden. Fehlerdokumentation kann zum Beispiel durch die Erstellung von Fehlerkarten oder einem Ursache-Wirkung-Diagramm (Ishikawa Diagramm oder Fischgräten Diagramm) passieren. Bei einem Ursache-Wirkung-Diagramm werden an den Fischgräten die Fehlerursachen aufgeschrieben (exemplarisch: Menschen, Maschine, Material, Mitwelt). Anschließend werden die Fehler der jeweiligen Kategorie zugeordnet.

In Anlehnung an Carina Schneppenheim (2022). Podcast #27 | Fehlerkultur als Gamechanger in einem KMU. Design mit Canva.com

Fazit

Auch für kleine und mittlere Unternehmen ist die Etablierung einer Fehlerkultur essenziell. Insbesondere unter Anbetracht dessen, dass durch Fehler finanzielle Verluste entstehen können. Der finanzielle Aspekt ist jedoch nicht der einzige. Für ein gutes Arbeitsklima und innovatives Arbeiten ist es wichtig, dass Mitarbeitende Fehler ohne Schuldzuweisung melden, oder Verbesserungsvorschläge machen können. Eine positive Fehlerkultur ermöglicht die Identifikation und anschließend die Beseitigung von unternehmensinternen Fehlern oder Problemen.

Das ganze noch mal nachhören? Dann besuchen Sie den Podcast „MANAGEMENT ÜBER|NEU|NACH|GEDACHT“ und hören Sie in Folge 27 „Fehlerkultur als Gamechanger in einem KMU“ rein.

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