Knowhow über Digitalisierungstechnologien erlangen – Schritt 1 einer CDR-Strategie

Person am Computer

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9. Juni 2022 | Von Marie Graw, Svenja Dittmann

Wie Unternehmen unternehmerische digitale Verantwortung (engl. Corporate Digital Responsibility – CDR) in sechs Schritten implementieren können und welche Rolle Digitalisierungstechnologien dabei spielen, möchten wir Ihnen vorstellen. In sechs Artikeln geben wir Ihnen einen Leitfaden an die Hand, der Orientierung rund um die Frage der Implementierung einer CDR-Strategie in Ihrem Unternehmen gibt.

Wir verwenden den Begriff „unternehmerische digitale Verantwortung“ sowie dessen englische Übersetzung „Corporate Digital Responsibility“ mit der Abkürzung „CDR“ gleichbedeutend.

Dies ist der erste Teil, welcher sich mit dem ersten Schritt – dem Knowhow – beschäftigt.

Erst einmal ist es wichtig, sich Wissen über die Themen CDR und Digitalisierung anzueignen, um den Ursprung und die Notwendigkeit von CDR zu verstehen. Digitalisierung klingt fortschrittlich und nachhaltig – durch Digitalisierung kann Nachhaltigkeit gefördert werden. Jedoch gibt es auch negative Aspekte. Bites und Bytes haben eine materielle Grundlage (bspw. Handys oder Laptops), die immer schneller aussortiert und ersetzt wird. Auch das Sammeln von nutzerspezifischen Daten kann problematisch sein, da hier besondere Vorsicht im Umgang und dem Verfahren geboten ist. So kann es passieren, dass Kund*innen Unsicherheit gegenüber Unternehmen verspüren, die bspw. schon einmal Probleme mit der Sicherung personenbezogener Daten hatten.

Das Digitalzeitalter hat auch einen großen Einfluss auf die Unternehmenswelt. Neue und innovative Geschäftsmodelle zielen darauf ab, spezifische und individuelle Daten in Echtzeit zu generieren. Diese Daten werden dann für Big-Data-Analysen oder das Anlernen von KI-basierten Systemen weiterverwendet. Auch können neue Technologien gegen den Klimawandel, in der Landwirtschaft und bei der Sicherstellung eines Zugangs zu Bildung und zum Gesundheitswesen beitragen.

Digitalisierungstechnologien und Unternehmen

Doch was bedeuten neue Digitalisierungstechnologien wie Big Data, künstliche Intelligenz, etc. für Unternehmen?

Digitalisierung bedeutet für Unternehmen: Nutzung der Daten und digitalen Technologien für mehr Effizienz oder Innovation in bestehenden oder neuen Märkten. Sie bedeutet auch, die Prinzipien der digitalen Ökonomie zu verstehen und für sich zu nutzen.

Dörr, S. (2020). Praxisleitfaden Corporate Digital Responsibility. S. 11

Digitale Transformation

Ein Aspekt ist die digitale Transformation. Auf Unternehmen kommen Herausforderungen unterschiedlicher Art zu. Sie müssen sich in der globalen und digitalen Wirtschaft behaupten und sind mit neuen Anforderungen konfrontiert. Zu den Herausforderungen gehören u.a. Innovations- und Veränderungsdruck sowie der Fokus auf direkte Kund*innenerfahrungen. Auch die Transformation vom Produktanbieter zum Dienstleiter oder sich auflösende Organisationsgrenzen (bspw. durch Arbeiten in Projektteams, Crowdsourcing) gehören zu den Hürden für Unternehmen. Ein zusätzliches Problem könnte die Anpassung an sich verändernde Arbeitsumgebungen durch zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten sein. Ebenso die Übernahme von Wissensarbeit durch Algorithmen sowie die daraus entstehende Notwendigkeit der Anpassung von Arbeitsplätze. Was ebenfalls ein Stolperstein sein kann, ist die Miteinbeziehung des neuen Stakeholders, des „gläsernen Nutzers“.

Exkurs: der gläserne Nutzer

Der gläserne Nutzer – Dörr, S. (2020). Praxisleitfaden Corporate Digital Responsibility. S. 46

Gläserne Nutzer*innen können Arbeitnehmende, Kund*innen, Kapitalgebende oder andere Stakeholder sein, die Daten von sich preisgeben, die dann vom Unternehmen genutzt werden. Hier spielen für das Unternehmen besonders der Persönlichkeitsschutz und die informelle Selbstbestimmung eine wichtige Rolle. Die Universal-, Individual- und Unternehmensinteressen stehen häufig in Zielkonflikt zueinander. Ein Beispiel für so einen Zielkonflikt ist der Schutz der Menschenwürde (Universalinteresse) und die Möglichkeit der Datennutzung zur Steigerung des Gemeinwohls (Unternehmensinteresse) und die Vertraulichkeit von Informationen (Individualinteresse). Somit wird der „gläserne Nutzer“ zu einem relevanten Stakeholder für Unternehmen, der bei der Nutzung von Daten, aber auch bei anderen unternehmerischen Entscheidungen mit einbezogen werden muss.

Digitaltechnologien

Da Unternehmen durch neue Digitaltechnologien in der Lage sind, viele kund*innenbezogene Daten zu erheben und zu speichern, wird auch die Relevanz dieser Daten immer größer.

Wertschöpfungsstufen
Dörr, S. (2020). Praxisleitfaden Corporate Digital Responsibility. Design mit Canva.com

Jeder hat sich bestimmt schon mal gefragt, warum Google immer genau zu wissen scheint, was man kaufen möchte, oder wieso Netflix immer genau die passenden Serien und Filme vorschlägt. Daten gelten als eine neue Quelle der Wertschöpfung. Besonders populär geworden sind im Zuge der Digitalisierung Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf der Bereitstellung einer Plattform basiert, über die Käufer*innen und Verkäufer*innen von Produkten oder Dienstleistungen miteinander in Kontakt treten können. Klassische Beispiele sind Amazon, Ebay oder AirBnB. Sie fungieren als Vermittler zwischen Kund*in und Verkäufer*in.

Solche Plattformen bieten sowohl Chancen als auch Risiken. Längst haben sich Vermittlerplattformen auch kleinen und mittleren Unternehmen etabliert (bspw. My hammer, Book a Tiger, Helpling). Vorteile sind geringe Kosten für neue Vertriebs- und Marketingwege und die Möglichkeit, Kund*innenbeziehungen persönlich über soziale Medien zu gestalten. Auch effektive Produktionsmethoden (bspw. 3D-Druck) gehören zu den Vorteilen. Jedoch steigt auch der Druck auf die Unternhmen. Vergleichbarkeitsmöglichkeiten befeuern die Konkurrenz unter Anbieter*innen. Geschäftspraktiken müssen ggf. angepasst werden, was mit einem Geld- und Zeitaufwand einhergeht.

Um auf diese Veränderungen erfolgreich mit eigenen Handlungskonzepten zu reagieren, ist es für KMU zu empfehlen, sich mit den Erfolgsfaktoren der Plattformen auseinanderzusetzen und die Chancen und Risiken für die eigene Branche zu beleuchten.

Dörr, S. (2020). Praxisleitfaden Corporate Digital Responsibility. S. 21

Veränderte Unternehmensverantwortung durch Digitalisierung

Durch die Digitalisierung nehmen auch Unternehmen eine neue Rolle im Wertschöpfungsprozess ein. Sie fungieren als wichtiger Hebel zur Transformation der Welt hin zu mehr Nachhaltigkeit. Neue Digitalisierungstechnologien ermöglichen die Befriedigung neuer Bedürfnisse und es können positive gesellschaftliche Veränderungen und neue Arbeitsplätze entstehen. Auch können Umweltthemen besser adressiert und ökonomischer Wohlstand erreicht werden. Durch die Veränderung der Wertschöpfungskette ändern sich auch die Erwartungen der Kund*innen und somit die Verantwortung der Unternehmen.

Ziel ist es, Digitalisierung zu ermöglichen, aber in einer menschengerechten, fairen und umweltfreundlichen Art und Weise. Besonders diskutiert werden in Anbetracht dessen die Themen digitaler Machtmissbrauch (bspw. durch Überwachung), ethische Fragen bei der Übernahme menschlicher Aufgaben durch Maschinen (bspw. in der Pflege), oder Netzmanipulation. Weitere relevante Themen sind der Vertrauensverlust durch Fake News und Bots oder Ängste vor dem Ende der Arbeit und aufgrund individueller Überforderung. Durch die Instrumentalisierung der Kund*innendaten ist die Achtung der Persönlichkeitsrechte zu einem Kernthema von unternehmerischer digitaler Verantwortung geworden.

Diesen unternehmerischen Verantwortungen, entstanden durch die Digitalisierung der (Arbeits-)Welt, können Unternehmen durch die Entwicklung einer CDR-Strategie und die Implementierung dieser in das unternehmerische Gesamtkonzept gerecht werden.

Wie die Implementierung in sechs Schritten möglich ist, können Sie zusammengefasst unter dem Schwerpunktthema „unternehmerische digitale Verantwortung“ nachlesen. Des Weiteren finden Sie dort zusätzliche Informationen rund um das Thema CDR. Wenn Sie mit dem Thema noch nicht so vertraut sind, empfehlen wir Ihnen unseren Grundlagenartikel „unternehmerische digitale Verantwortung – eine Einführung“, ansonsten finden Sie hier den zweiten Schritt „unerwünschte Nebenwirkungen der Digitalisierung beobachten – Schritt 2 einer CDR-Strategie„.

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